Ein unerwarteter Höhenflug

Der UHC Sarganserland hat den besten NLB-Saisonstart in der Vereinsgeschichte hingelegt und führt nach vier Runden die Tabelle an. «Ein Aufstiegskandidat sind wir trotzdem nicht», sagt Sportchef Roman Kälin.

Bisher Standard nach den Spielen: Der «Siegestanz» des NLB-Fanionteams des UHC Sarganserland. (Bild Reto Voneschen)

von Reto Voneschen (Sarganserländer)

Es sieht immer noch etwas ungewohnt aus: Nach vier glatten Siegen steht das Fanionteam des UHC Sar-ganserland überraschend auf Rang 1 der zweithöchsten Landesliga, und da sich die versammelte Konkurrenz – nicht ganz unerwartet – fleissig gegenseitig die Punkte wegschnappte, sind die Sarganserländer sogar mit fünf Zählern Vorsprung Tabellenführer. «Stop the count», heisst es – angelehnt an Donald Trumps legendären Tweet bei den US-Wahlen vor knapp zwei Jahren – auf Social-Media-Plattformen wie Twitter gerne, wenn eine Zwischenrangliste auch gerne eine Schlusstabelle darstellen könnte. 

Die jetzige Tabelle können sich die Verantwortlichen und Spieler des UHC Sarganserland tatsächlich ausdrucken. In der 15. Saison spielt der UHCS in der NLB, aber noch nie gelang ihm ein Start wie in dieser Spielzeit. Einmal (Saison 2010/11) verlor der UHCS erst am vierten Spieltag erstmals, hatte aber damals schon in der zweiten Runde bei einem Sieg in der Verlängerung den ersten Punkt abgegeben. Erst in zwei der 15 Saisons verlor der UHCS am dritten Spieltag zum ersten Mal, in dreien schon am zweiten, und tatsächlich in acht Spielzeiten stand die erste Saisonniederlage schon nach dem Auftaktspiel zu Buche. So war es auch in den letzten fünf Jahren. 

Dies zeigt, warum die aktuelle Tabellenführung so ungewohnt ist. Noch in der Spielzeit 2019/20 gelang erst in Runde 16 der erste (und einzige!) Vollerfolg in der Qualifikation.

Assistenztrainer fehlt

«From Zero to Hero», quasi? Nicht ganz. Schon in der letzten Saison zeigte sich eine steigende Tendenz. Die erste Play-off-Qualifikation nach vier Saisons war keine Überraschung mehr. Und trotz einigen Abgängen im Sommer konnte Trainer Simon Gugelmann auf altbewährte Kräfte bauen. Mit NLA-Rückkehrer Fabian Beeler und dem Tschechen Lukas Jalovy kamen auch zwei Neuzugänge, die sofort Verantwortung übernahmen. Dass der UHCS nun aber gar als Aufstiegskandidat gehandelt wird, dafür hat Sportchef Roman Kälin nur ein müdes Lächeln übrig. «Nein, das sind wir ganz sicher nicht», winkt er sofort ab. 

Zwar steht der UHCS an der Spitze, Baustellen gibt es aber noch einige. Vor allem der fehlende Assistenztrainer fällt ins Gewicht. Seit der Trennung von René Fuchs sind die Verantwortlichen auf der Suche nach einem Co-Trainer. Denn Headcoach Gugelmann kann als Familienvater nur zwei der drei wöchentlichen Hallentrainings leiten. Bei Heimspielen steht Gugelmann abwechslungsweise Hilfe aus der Leistungssportabteilung zur Seite. Bei Auswärtspartien hilft ihm Athletiktrainer Marcel Hengartner. «Die Suche läuft», sagt Sportchef Kälin. 

Froh um jeden Punkt

Der Melser weiss die aktuelle Situation einzuordnen. «In den ersten beiden Spielen hatten wir auch recht viel Glück», sagt Kälin, «die beiden Siege verliehen uns aber viel Selbstvertrauen.» Es freue ihn, dass der Start in die neue Saison gelungen ist, «die Liga ist so ausgeglichen, da sind wir froh um jeden Punkt». Im «dümmsten» Moment kam da der Meisterschaftsunterbruch am vergangenen Wochenende. «Wir wären grad so schön im Schwung gewesen», sagt Kälin lachend. Da im November im neuen Zürcher «Löwentempel» die Unihockey-WM ausgetragen wird, wurde das Wochenende für einen Nati-Zusammenzug gesperrt. 

Mit einer Doppelrunde wird die Meisterschaft nun fortgesetzt. Am Samstag tritt der UHCS zu Hause gegen Langenthal Aarwangen (11.) an, am Sonntag wartet NLA-Absteiger Ad Astra Obwalden (3.). Man darf gespannt sein, wo der UHCS danach steht.